Die Oder

Die Quelle der Oder befindet sich auf tschechischem Staatsgebiet, in den östlichen Sudeten am Hang des Berges Kozlowa (NN +634 m). In ihrem Oberlauf in Tschechien nimmt die Oder drei Bergflüsse auf: von links die Opava, von rechts - aus den Beskiden kommend - die Ostravice und die Olza; letztere bildet die Grenze zwischen Polen und Tschechien. Ab dieser Stelle, von wo an die Oder mehr Wasser führt, ist sie frei fließend und für Kanus befahrbar. Die Oder fließt auf ihrem Weg zur Ostsee grundsätzlich in Nord-Nordwest-Richtung. Nachdem sie das Territorium Tschechiens verlassen hat, durchfließt sie Schlesien zwischen dem östlichen Teil der Sudeten und den Westhängen der kleinpolnischen Höhen, dann durch das Lebuser Land und Pommern und mündet in das Stettiner Haff. Von dort aus fließt ihr Wasser in drei Armen in die Ostsee: von Osten die Dieve, die Swine und die Peene. Bis zur Ortschaft Chalupki gehören beide Ufer zu Tschechien, weiter bildet die Oder auf 7 km die natürliche Grenze zwischen Polen und Tschechien, als nächstes fließt sie bis zur Mündung der Lausitzer Neiße (km 542,4) auf polnischem Territorium. Der Abschnitt von der Neißemündung bis Widuchowa (Fiddichow) stellt die Grenze zwischen Polen und Deutschland dar, die in der Mitte des Hauptstromes verläuft. Im Raum Gartz (km 704,1) tritt die Oder wieder ganz auf polnisches Gebiet über. Hier zweigt am Marienhofer Wehr (Wehr Widuchowa) nach links die Westoder ab, die sich nach 29,8 km eigenständigem Verlauf wieder mit der Oder vereinigt (bei km 733,2). Vor dieser Vereinigung zweigt nach rechts aus der Stromoder (bei km 730,5) die Große Reglitz (Regalica) ab, die gegenüber Stettin in den Dammschen See und durch diesen in das mit dem Stettiner Haff verbundene Papenwasser mündet. Die eigentliche Stromoder quert das Stettiner Stadtgebiet und mündet etwa 20 km unterhalb von Stettin ebenfalls in das Papenwasser. Aus dem Stettiner Haff ergießt sich die Oder in drei Armen – Peenestrom, Swine und Dievenow –, von denen die Swine der Hauptarm ist, in die Ostsee. Die wichtigsten Nebenflüsse der Oder sind von links zufließend:
Oppa (Opava)
Hotzenplotz
(Osobloga, Oder-km 124,6)
Glatzer Neiße
(Nysa Klodzka, km 181,3)
Ohle (Olawa, km 250,5)
Weistritz (Bystrzyca, km 266,5)
Katzbach (Kaqczawa, km 315,9)
Bober (Bobr, km 516,0)
Lausitzer Neiße (km 542,4)
Finow (mündet über die Havel-Oder-
Wasserstraße in die Oder)
von rechts zufließend:
Luha
Ostrawitza (Ostravice)
Olsa (Olza)
Klodnitz (Klodnica, Oder-km 91,5)
Malapane (Mala Panew, km 158,5)
Stober (Stobrawa, km 188,8)
Weide (Widawa, km 266,9)
Bartsch (Barycz, km 378,1)
Warthe (Warta, km 617,6)
Mietzel (Mysla, km 629,4)
Hydrographisch kann die Oder in :
Quelloder
Obere Oder
Mittlere Oder (ab Mündung der Weide, unterhalb von Breslau (km 266,9) bis zur Warthemündung (km 617,6) und Untere Oder unterteilt werden. Die Oder ist auf ganzer Länge reguliert und zu einem beträchtlichem Teil kanalisiert. Im Oberlauf von Kozla (km 98,0) bis Brzeg Dolny (km 281,6) gibt es 24 Schleusen, vor denen die Strömung auf ca. 3 km fast völlig aufhört. Als Folge der Regulierung, der Durchstiche und Abkürzungen wurde die Oder in einigen Abschnitten verkürzt oder ihr Bett verlegt. Die neuen Schifffahrtswege besitzen oft eigene Kilometrierungen. Auf der Strecke gibt es besonders im oberen Abschnitt viele Fähren. Politische Zugehörigkeit des Oderstromgebietes Das Oderstromgebiet hat im Laufe der Geschichte viele Herren gesehen. So zählte im 10. bis zum 12. Jahrhundert der größte Teil des Einzugsgebietes der Oder zum Königreich Polen oder zu dessen Einflusssphäre. Nur das Quellgebiet gehörte zu Mähren und damit zum „Heiligen Römischen Reich“. Dessen Grenze verschob sich aber dann unaufhaltsam weiter nach Osten. Im 14. Jahrhundert gehörten nur noch große Teile des Einzugsgebietes von Warthe und Netze zum Königreich Polen. Die Stromoder lag im Quellgebiet im Markgrafentum Mähren, um dann weiter durch das Herzogtum Schlesien, das Kurfürstentum Brandenburg und das Herzogtum Pommern-Stettin bis in die Ostsee zu fließen. Im Raum Fürstenberg grenzte viele jahrhundertelang das Markgrafentum Lausitz an die Oder. Alle diese Herrschaften gehörten zum Einflussbereich des „Heiligen Römischen Reiches“. Daran änderte sich auch im Ergebnis des Dreißigjährigen Krieges prinzipiell nichts. Nur das Mündungsgebiet incl. Stettin gehörte jetzt für gut 70 Jahre zum Staatsgebiet des Königreiches Schweden. Nach Ende des Ersten Schlesischen Krieges (1742) hatte sich Friedrich II das Herzogtum Schlesien seinem Herrschaftsbereich eingegliedert und seit dieser Zeit gehörte die gesamte schiffbare Oder bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zum preußischen Staatsgebiet. Die heutige territoriale Aufgliederung ist letztlich Ergebnis des durch Deutschland angezettelten 2. Weltkrieges und wurde im Oder-Neiße-Friedensvertrag zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen festgeschrieben und durch die Bundesrepublik Anfang der 90er Jahre bestätigt. Heute gehören 89 Prozent des Einzugsgebietes der Oder zur Republik Polen, 6 Prozent zur Republik Tschechien und unter deutscher Verwaltung stehen nur noch 5.587 km² (d.h. 5 %) des Einzugsgebietes der Oder (unterhalb der Mündung der Lausitzer Neiße). Von alters her war die Oder ein Hauptverkehrsweg der Leute, die an ihren Ufern lebten. Anfangs waren es Menschen Lausitzer Kultur, Vorfahren von slawischen Stämmen. Sie bildete später die Verteidigungslinie des jungen polnischen Staates gegen die blutigen räuberischen Invasionen der Deutschen, die systematisch eine Politik des Drucks nach Osten betrieben. Sie war der „treue Fluß“ des Boleslawer Geschlechtes, da sie damals nicht nur einmal die wichtige Rolle einer Verteidigungsbastion spielte. Unreguliert floß sie mitten durch ausgedehnte Sümpfe und undurchdringliche Wälder, nur an einigen Stellen war sie zugänglich und verhältnismäßig leicht zu durchqueren. Dort entstanden Burgen (Oppeln, Brieg, Breslau, Glogau und viele andere) mit der Aufgabe der Verteidigung dieser Furten gegen den Feind. Die an der Oder liegenden Städte waren in den fünfziger Jahren Orte zahlreicher Ausgrabungsarbeiten, die mit dem Erfolg der Bergung vieler Belege dafür gekrönt waren, daß dieses Land ursprünglich slawisch ist und die damaligen Bewohner über eine hohe Kultur verfügten. Gut erhaltene Bauwerke aus der Piastenzeit, schöne Städte mit zahlreichen Denkmälern mittelalterlicher Baukunst zeugen von der großen Bedeutung dieses Landes in jener Zeit. An den Ufern der Oder blieben ursprüngliche Waldpartien erhalten, die heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, was die Attraktivität des Wasserweges zweifellos erhöht. In den Wäldern an der Oder kann man Wildschweine, Füchse, Wiesel, Wildpferde, Fischotter, Iltisse, Wildkaninchen, vereinzelt auch Dachs und Reh treffen, die hier unter besonderer Pflege und Schutz stehen. Neben dem Schifffahrtsweg finden wir hinter ihren Ufern und Deichen zahlreiche Altarme. An den Ufern des Flusses und dieser Nebengewässer nistet die Vogelwelt: Wildenten, Schnepfen, häufiger als an anderen Flüssen Nachtigallen und Amseln, zunehmend wieder Reiher. Die Tiefe der Oder ist für Paddel- und Ruderboote selbst im oberen Teil ausreichend. Einige Sandbänke bei niedrigem Wasserstand sind dort leicht zu überwinden. Wegen der verhältnismäßig hohen Geschwindigkeit der Frachtschiffe und wegen der Schleusen erfordert die Begegnung mit diesen Schiffen und die Schleusung mit ihnen hohe Aufmerksamkeit. An den Ufern der Oder (oft auf den Schutzdeichen) gibt es eine ausreichende Anzahl trockener Stellen zum Zelten.

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